## Projekte Wenn ich hier von den Strukturen des Verbunds schreibe, geht es zunĂ€chst um offizielle und organisatorische Einheiten, wie sie – teilweise durch die Förderung vorgegeben – im Dokument des Einrichtungsantrags und in Organigrammen beschrieben sind. Wie stark oder schwach, wie planmĂ€ĂŸig oder irritierend diese Strukturformen im Betrieb des Verbunds wirken, ist jeweils unterschiedlich. ![[strukturkarte_sfb_1567_compressed.jpg]] Die wahrscheinlich wirkmĂ€chtigste formale Strukturform des Verbunds ist die Gliederung in Teilprojekte. Ein Teilprojekt besteht in der Regel aus ein bis zwei Projektleitenden (PI), einer promovierten Forscher:in (Postdoc) und/oder ein bis zwei promovierenden Forscher:in (Doc). Die PI haben in den meisten FĂ€llen eine Professur inne und sind verantwortlich fĂŒr die Antragsstellung und die Ausrichtung der Forschung. Die Forschenden sind arbeitsrechtlich die Mitarbeiter:innen der PI, wĂ€hrend die Docs zusĂ€tzlich hĂ€ufig in einem BetreuungsverhĂ€ltnis zu den PI stehen. Diese handfesten AbhĂ€ngigkeiten vor jeder inhaltlichen Arbeit machen die Teilprojekte zu einer Art Kernfamilie – nicht immer geliebt, manchmal entfremdet oder sogar in spĂ€rlichem Kontakt, aber meistens entscheidend. %% Ich werde keines der tatsĂ€chlich tĂ€tigen Teilprojekte im Einzelnen dokumentieren, sondern aus meiner Erhebung und Analyse synthetisierte Varianten von Teilprojekten beschreiben. Diese leite ich aus meiner empirischen Forschung ab, sie bestehen also aus Praktiken, die ich im Rahmen meiner Untersuchung auch beobachtet habe. Aus GrĂŒnden der Anonymisierung und Analyse rekombiniere ich empirisch beobachtete Praktiken aus unterschiedlichen tatsĂ€chlichen Teilprojekten zu wenigen virtuellen Teilprojekten. Das steigert die Übersicht, bĂŒndelt essenzielle Muster, liefert eine dichte Beschreibung der Arbeit in Teilprojekten und prĂ€sentiert zugleich die HeterogenitĂ€t der möglichen Weisen, diese Arbeit zu tun. %% Neben den Teilprojekten wirken weitere Strukturformen, die die Teilprojekte verbinden, irritieren oder durchkreuzen. *Projektbereiche* fassen jeweils 3 bis 4 Teilprojekte zu einer Gruppe zusammen, die einem Thema folgt. Ich war nicht dabei, als die Projektbereiche gebildet wurden, aber ich habe sie beobachtet als Strukturen, die bestimmte Sets von Teilprojekten zu regelmĂ€ĂŸigen Treffen motiviert haben, bei denen ein kontinuierlicher Austausch zwischen Teilprojekten unternommen wird – eine Struktur, die in dieser laufzeitĂŒbergreifenden KontinuitĂ€t einzigartig ist. *Early Career Forum* ist der "Zusammenschluss aller Wissenschaftler:innen in frĂŒhen Karrierephasen \[und] realisiert \[
] in eigener Verantwortung Veranstaltungsformate, die zum einen konkrete Hilfestellungen und Entwicklungsperspektiven fĂŒr die beteiligten Wissenschaftler:innen bereitstellen und zum anderen die Sichtbarkeit ihrer Forschungsarbeiten sichern." (46) Auch Veranstaltungen wirken als Strukturformen, insofern sie vorab festgelegt sind und bestimmte Personen aus dem Verbund zeitweise in Verbindung setzen. *Workshops* werden, so heißt es im Einrichtungsantrag, "aus den Arbeitsprogrammen der TP abgeleitet und betreffen \[
] Schnittpunkte quer ĂŒber den Verbund hinweg. \[
] Sie werden im Regelfall kooperativ \[
] organisiert. Sie dienen der kollaborativen Materialauswertung, der Diskussion von Vorgehensweisen, der Datenanalyse und der Fokussierung theoretischer Fragen" (43f). Sie fĂŒhren zu verschiedenen Formen der Zusammenarbeit, indem sie unterschiedliche Teilprojekte im Rahmen einer thematischen Veranstaltung und ihrer Organisation zusammenbringen und ihnen ermöglichen, externe GĂ€ste einzuladen. Schließlich gibt es Organe des *Projektmanagements* wie das *Zentrale Verwaltungsprojekt* (Z), das Leitungsgremium (LG) sowie die *Mitgliederversammlung* (MV). Diese sind unerlĂ€sslich fĂŒr die Organisation der Forschungseinrichtung, spielen fĂŒr meine Untersuchung aber nur eine indirekte Rolle. Die Forschungsinstitution meines Feldes als Organisationszusammenhang zu erzĂ€hlen, ĂŒberlasse ich einer anderen Untersuchung. Mit der Formel der *Virtuellen UniversitĂ€t* sind drei sogenannte Teilprojektvarianten versammelt, die unterschiedliche Aufgaben fĂŒr den Forschungsverbund erfĂŒllen sollen. Das *Wissenschaftliches Serviceprojekt* behandelt "Methoden und Didaktik", die *Öffentlichkeitsarbeit* ist zustĂ€ndig fĂŒr "Vermittlung und Evidenz" und die Teilprojektvariante *Informationsinfrastruktur* kĂŒmmert sich um "Technik und Praxeologien". Zu den Strukturen gehören schließlich auch die unzĂ€hligen informellen Beziehungen am Verbund. Man geht mit einigen regelmĂ€ĂŸig in die Mensa, mit anderen nicht. Man geht Abendessen, hilft sich beim Umzug, gießt Pflanzen oder fĂŒttert Haustiere. Es liegt in der persönlichen Natur dieser Beziehungen, dass sie der Untersuchung nur dann zugĂ€nglich sind, wenn ich als Forscher an ihnen persönlich beteiligt bin. Jedenfalls darf ich annehmen, dass sie hochgradig vielfĂ€ltig sind und in ihren potenziellen Effekten kaum zu unterschĂ€tzen sind.