# Geist in den Pixeln: Zur praxeografischen Entwicklung geisteswissenschaftlicher Infrastrukturen
> [!tip] Reference
> Vortrag zusammen mit [Lea Roth](https://learot.net) beim Workshop der [AG Interfaces](https://ag-interfaces.net/2026/04/03/768/) der Gesellschaft fĂŒr Medienwissenschaft am 08. Mai 2026 an der Johannes-Gutenberg-UniversitĂ€t Mainz. UrsprĂŒnglich angekĂŒndigt unter dem Titel *Interfacing Humanities Research*.
## Abstract
Der Arbeitsalltag geisteswissenschaftlicher Forschung ist wenig untersucht, insbesondere seine (digitalen) Techniken und deren Interfaces (Martus/Spoerhase 2022; Fries/Nieswand 2024). WĂ€hrend in den postdigitalen Geisteswissenschaften groĂes Interesse an technischen ForschungsgegenstĂ€nden besteht, bleiben die Techniken der eigenen Arbeit oft unthematisiert (KrĂ€mer 2025). Auf dieses Desiderat reagieren wir mit einem laufenden Forschungs- und Designprojekt zu den Arbeitsweisen geisteswissenschaftlicher Disziplinen. In der Tradition der Labor- und Infrastruktur-Studien der Science and Technology Studies (STS) (Latour/Woolgar 1986; Bowker/Star 2000) und mit den Mitteln einer mehrjĂ€hrigen Praxeografie (Mol 2002) untersuchen wir Forschungs-, Daten- und Infrastrukturpraktiken an einem geistes- und kulturwissenschaftlichen Forschungsverbund, der rund 60 Personen und 15 Teilprojekte unter einem gemeinsamen Programm versammelt. Zu den Zielen dieser Untersuchung gehören nicht nur die systematische Analyse, sondern auch die reflexive Mitgestaltung der lokalen Infrastruktur- und Datenpraktiken.
(Quasi-)Objekt unserer Untersuchung und Gestaltung ist die gegenwĂ€rtige und zukĂŒnftige Virtuelle Forschungsumgebung (VFU) des Forschungsverbunds. Diese soziotechnische Ăkologie umfasst sowohl etablierte als auch idiosynkratische Anwendungen und Verfahren. Aktualisiert in Praktiken, verbinden sich hier hegemoniale Textverarbeitungsoftware mit hochpersönlichen Ordnungssystemen fĂŒr Notizen, Literatur und Materialien. Klassischerweise werden VFU als integrierte Sets von Techniken konzipiert, die den Umgang mit Forschungsdaten ermöglichen oder projektbasierte Zusammenarbeit koordinieren (Carusi/Reimer 2010, 13). Geisteswissenschaftliche VFU im engeren Sinne werden seit den 2010er Jahren entwickelt (Blanke et al. 2010; Neuroth et al. 2011), allerdings kaum durch Nutzungsstudien begleitet (Bender 2016) und lassen bis heute zentrale Herausforderungen unbeantwortet (Deutsche Forschungsgemeinschaft 2025). Mit den SensibilitĂ€ten der STS lassen sich VFU in einem weiteren Sinn als gewachsene und gestaltete Infrastrukturen behandeln (Suchman 2002; Vertesi 2014), die nicht nur neutrale technische UnterstĂŒtzung bieten, sondern Epistemologien und Denkstile prĂ€gen (Fleck 1980; Fortun/Fortun 2023). Entsprechend bedeutsam sind auch ihre Interfaces.
Zentraler Baustein unserer VFU-Entwicklung ist die Gestaltung einer Startseite, die Forscher:innen den Einstieg in ihre Forschungsumgebung ermöglicht â ein situiertes Interface fĂŒr die Forschungsarbeit im Verbund. Entwickelt auf Grundlage der praxeografischen Studie, spekulativer Partizipationsformate und traditioneller Nutzungstests, versammelt die Startseite Ressourcen und Dienste der alltĂ€glichen Arbeit, zielt aber auch auf die Irritation und Inspiration der projektĂŒbergreifenden Zusammenarbeit. So reflektiert der Beitrag, was praxeografische Infrastrukturforschung zum VerstĂ€ndnis geisteswissenschaftlicher Arbeit beitragen kann und wie sich diese Einsichten in einer experimentellen Interface-Entwicklung materialisieren lassen.
## Feld đș
Es geht heute um die gemeinsame Entwicklung einer Webseite. Bevor wir ĂŒber die Seite sprechen, berichten wir vom Feld und der Forschung des Projekts â das sind die wissenschaftlichen Grundlagen. Wir arbeiten an einem Sonderforschungsbereich (SFB). Das wird vielen hier ein Begriff sein: Es handelt sich um ein gröĂeres Förderformat der DFG. Unser SFB lĂ€uft seit 2022, möglich sind insgesamt 12 Jahre. Der Verbund besteht aus rund 60 Personen, verteilt auf 15 Teilprojekte. Die Teilprojekte kommen aus unterschiedlichen Disziplinen und arbeiten zu eigenen, unterschiedlichen Themen. Gleichzeitig hat der Verbund ein gemeinsames Forschungsprogramm.
![[knorr-cetina.jpg]]
![[latour_woolgar.jpg]]
![[mol.jpg]]
Unser Projekt innerhalb des Verbunds besteht darin, die _Forschungs-Arbeits-Weisen_ am Verbund zu untersuchen. DafĂŒr machen wir eine Ethnografie der Praktiken am SFB. Das steht in der Tradition einer sozialwissenschaftlichen Wissenschaftsforschung, der _Science and Technology Studies_ (STS), der Laborstudien und der Infrastrukturforschung. Mein Fokus liegt dabei auf Praktiken, Techniken, Daten und Infrastrukturen. SchlieĂlich hat das Projekt nicht nur einen Forschungsauftrag, sondern soll auch in die lokale Forschungsinfrastruktur intervenieren. Meine eigene Forschungspraxis besteht vor allem aus teilnehmender Beobachtung sowie Einzel- und Gruppen-Interviews, ergĂ€nzt durch partizipative Workshops, einmalige experimentelle Projekte und klassische Befragungen.
![[IMG_1699_compressed.jpg]]
![[IMG_3967_compressed.jpg]]
Schauen wir uns den Sonderforschungsbereich genauer an. Es handelt sich um einen geistes-, kultur- und sozialwissenschaftlichen SFB. Hier ein paar Beispiele fĂŒr Themen in den Teilprojekten: Gegenwartsliteratur unter digitalen Bedingungen, Ausstellung von Kunst mit VR-Brillen, digitale Objekte in der MediĂ€vistik und Sensorik von autonomen Fahrzeugen. Es gibt also ein ausgeprĂ€gtes Interesse an digitaler Technik als Gegenstand. Ebenso digital sind die alltĂ€glichen Arbeitsweisen: Email, Microsoft Office, Ordner-Strukturen. Nicht digital sind hingegen die Forschungsmethoden, zumindest nicht im Sinn der Digital Humanities.
![[IMG_8566_compressed.jpg]]
![[IMG_7532_compressed.jpg]]
Das nennen wir _postdigitale Geisteswissenschaften_: Digitalisierung ist auch hier normal, digitale und nicht-digitale Themen stehen gleichrangig nebeneinander, und der Arbeitsalltag ist selbstverstĂ€ndlich durch-digitalisiert; aber wir haben es nicht mit Digital Humanities zu tun, was sich vor allem in den Methoden ausdrĂŒckt.
## Geist đ»
Schauen wir uns diese Arbeitsweise genauer an. Zu den Praktiken kommen wir noch, jetzt geht es zunĂ€chst um Ziele, Werte, Rechtfertigungen und SelbstverstĂ€ndnis â also darum, _was die Forscher:innen sagen, dass sie tun wollen_. Um das zu beschreiben, hat sich der Begriff _Geist_ als produktiv erwiesen. _Hear me out!_
Es hat begonnen als ethnografische Entfremdungsstrategie. An den OberflĂ€chen des Forschungsverbunds (Webseite, DFG-Fachsystematik, AntrĂ€ge, Projektbeschreibungen) ist eindeutig von _Geisteswissenschaften_ die Rede. Aha, dachten wir â dann muss es um _Geist_ gehen; so wie die Naturwissenschaften _Natur_ untersuchen, sind die Geisteswissenschaften fĂŒr _Geist_ zustĂ€ndig; _easy_. Im GesprĂ€ch mit meinen Kolleg:innen war das dann schon nicht mehr so klar: Wenn wir fragen, ob sie sich als Geisteswissenschaftler:innen verstehen, sagen manche ja, manche nein, aber alle relativieren auch irgendwie. Was sagen sie also, dass sie tun wollen? Hier ein paar Antworten:
```
Eigentlich will ich Probleme prÀsentieren. Ich will Sachen komplex, kompliziert machen.
```
```
[Es geht darum,] auf die spekulative Dimension ab[zu]heben, also das, was sein könnte, nicht das, was ist.
```
```
Ich lese gerne. [âŠ] Vielleicht ist es auch wirklich einfach nur Text. [âŠ] Geisteswissenschaft ist Begriffsarbeit und Bedeutung ausloten.
```
Es geht also um das _Mögliche_, das _Spekulative_, um _Kontingenz_; es geht auch um _Kritik_ und um die Frage nach _Bedingungen_ (genealogischen, materiellen, technischen). Das alles kann man nun gut in einem aktualisierten, ent-idealisierten Begriff von _Geist_ aufheben. Wir folgen hier einem Vorschlag von Niklas Luhmann: Er hat _Geist_ mit _Sinn_ ĂŒbersetzt. Sinn ist bei Luhmann eine Art Super-Medium, das allen gedanklichen und kommunikativen Prozessen unterliegt, und zwar als eine Verweisstruktur von Bedeutungen. Sinn zeigt immer alternative Möglichkeiten an und reguliert zugleich den Zugang zu diesen Möglichkeiten. _Geist als Sinn ist dann das Medium aller Möglichkeiten, ĂŒber die Welt nachzudenken und zu sprechen._ So bringt der Begriff auf den Punkt, wo die PrioritĂ€ten der geisteswissenschaftlichen Arbeit liegen: Die Arbeit mit, am und fĂŒr _Geist_ bedeutet Arbeit an _gepflegter Kontingenz_ â eine systematische und elaborierte Erkundung dessen, was möglich ist.
## Daten đŸ
Mein Gegenbegriff zu _Geist_ ist _Daten_. Geist und gepflegte Kontingenz sind das, was die geisteswissenschaftliche Arbeit anstrebt. Aber fĂŒr die Herstellung von _high-quality Geist_ mĂŒssen auch irgendwelche Verfahren und Praktiken durchgefĂŒhrt werden; _man muss irgendetwas tun_. Und hier wird es interessant, weil nicht klar ist, _was_ man tun soll. Das zeigen auch zwei neuere Publikationen aus den Geisteswissenschaften selbst: _Geistesarbeit_ von Martus/Spoerhase (2022); Sybille KrĂ€mer forscht schon lĂ€nger zur praktischen Arbeit am Geist. Beide sind gut, Sybille KrĂ€mer hervorragend, aber sie machen auch deutlich, dass die Praxis der Geisteswissenschaften eine ungeklĂ€rte und aktuelle Frage ist.
![[spuren-00_compressed.jpeg]]
![[spuren-02_compressed.jpeg]]
Meine Strategie ist, ĂŒber einen weiten Begriff von Daten die Ebene der geisteswissenschaftlichen Praxis zu erschlieĂen. Hier meine Definition von Forschungsdaten: Daten existieren immer im Zuge von Datenpraktiken (Mol 2002); Datenpraktiken wiederum sind Verfahren, die _Spuren in einem Medium fixieren_ (Rheinberger 2021). Klassischerweise sind das Spuren von NaturphĂ€nomenen; in unserem Fall sind das Spuren von Geist, also Spuren von Sinn, also temporĂ€r und materiell fixierte Sinnformen. Konkret können das Worte sein, aber auch diffusere QualitĂ€ten: Wenn wir einen Satz in einem Text unterstreichen oder eine PDF in einen Ordner ziehen, sind das bereits Datenpraktiken. Sie fixieren eine sinnhafte QualitĂ€t â âdieser Satz ist relevantâ oder âdiese PDF gehört in den Ordner âSpĂ€ter lesenââ. Das waren jetzt maximal alltĂ€gliche Beispiele; es gibt auch elaborierte Verfahren: Viscoll, TEI, MaxQDA, Obsidian, jahrzehnte-alte Literaturdatenbanken oder individuell selbst-entwickelte Notiz-Praktiken.
```
I: WĂŒrdest du sagen, dass du mit Forschungsdaten arbeitest?
P: Nein. Also ich... Sagen wir so: Ich kann verstehen... Also ich weiĂ, ich könnte auf die Frage auch mit Ja antworten, aber fĂŒhlen tue ich es nicht. [âŠ] Daten sind fĂŒr mich immer noch Zahlen. [âŠ] Ich spreche mit meinen Texten. Ich verwerte die nicht.
```
> "Es gibt keine Geisteswissenschaften, ohne dass [âŠ] GegenstĂ€nde wie Dokumente, Monumente und Artefakte (...) gesucht, gesammelt, datiert, ausgezeichnet, klassifiziert, editiert, verglichen, kommentiert und archiviert werden" (KrĂ€mer 2025: 12f).
Beide Zitate sind valide und relevant. Die Unterscheidung zwischen _Geist_ und _Daten_ erklĂ€rt eine grundlegende Spannung: Einerseits sieht man sich zustĂ€ndig fĂŒr die Herstellung von exzellentem Geist, also fĂŒr die Erkundung und Entwicklung von offener Kontingenz. Andererseits muss man zu diesem Zweck Geist/Sinn durch Datenpraktiken einfangen und âentgegen seinem Wesenâ als effektiv unendliches Netz von Verweisungen temporĂ€r und materiell fixieren.
## Infrastruktur đȘž
Die Unterscheidung von Geist und Daten dient in meiner Forschung auĂerdem zur _infrastrukturellen Inversion_ (Bowker/Star). Inversion meint hier, Aufmerksamkeit zu schaffen fĂŒr das Langweilige, AlltĂ€gliche und Unsichtbare. In unserem Fall sind das die Datenpraktiken und Infrastrukturen, die fĂŒr die Geist-Produktion notwendig sind. Wir sprechen hier von einer _infrastrukturellen Ăkologie_, denn es gab schon lange vor unserer Forschung viele lose verbundene Techniken, mit deren Hilfe die Forscher:innen ihre Arbeit getan haben. Das bedeutet fĂŒr jede Entwicklung, dass man die bestehende Infrastruktur verstehen und BeitrĂ€ge liefern sollte, die _in die Ăkologie passen_.
![[infrastrukturelle_oekologie_compressed.png]]
Die Grafik zeigt die infrastrukturelle Ăkologie in meinem Feld. Jede der Boxen ist eine Kategorie von Datenpraktiken, und die Listen in den Boxen sind konkrete Anwendungen, mit deren Hilfe die jeweilige Datenpraktik durchgefĂŒhrt wird. Das ist also keine vollstĂ€ndige Karte geisteswissenschaftlicher Arbeit, sondern eine unvollstĂ€ndige Karte der technischen, vergessenen und unterschĂ€tzten Seite der geisteswissenschaftlichen Arbeit.
> âEs ist der Bereich, der sich zwischen den Agenten des Wissens und den GegenstĂ€nden ihres Interesses erstreckt [âŠ]: die Unterwelt der Forschungstechnologien." (Rheinberger 2021: 17)
In der Mitte sehen wir schlieĂlich die Komponenten, die wir der Ăkologie hinzugefĂŒgt haben. Wir haben in allen drei FĂ€llen versucht, existierende Anwendungen zusammenzubringen oder zu vermitteln. Die Startseite stellen wir gleich vor. Vorher mĂŒssen wir noch kurz erwĂ€hnen, dass es auch Entwicklungsstufen gab, bevor die Entwicklung an Version 1.0 begonnen hat: erstens einen spekulativen Workshop, zweitens einen Online-Prototypen mit Nutzer:innen-Befragungen. Aber lasst uns das vom Endergebnis her aufrollen.
![[hub-0101_compressed.jpeg]]
![[hub-0102_compressed.jpeg]]
![[hub-0202_converted_compressed.jpg]]
![[hub-0201_compressed.jpg]]
## Startseite đ
Zur Konzeption: Mit den Ergebnissen aus dem Prototyping haben wir dann mit der Arbeit an der Website begonnen. Aus Entwickler:innensicht ist es ein spannendes Projekt, weil die Nutzer:innengruppe klar definiert ist und dadurch viel Raum fĂŒr gestalterische Experimente entsteht. Zur Technik: Wir haben die Seite mit einem Open-Source-Content-Management-System umgesetzt, auf dem Uni-Server installiert und den Code auf GitLab veröffentlicht.
![[gitlab-hub.png]]
Zum Design der Seite war die erste Inspiration die frĂŒhere Version auf Basis von MediaWiki â das ist das CMS der Wikipedia. Darauf aufbauend haben wir weitere Referenzen gesammelt und ein Moodboard erstellt. Der Stil lĂ€sst sich beschreiben als: clean, wissenschaftlich und reduziert. Unser Fazit war: âWikipedia, aber cool.â
![[moodboard.jpg]]
Die Farben der Startseite basieren auf den SFB-Farben, jedoch in Pastelltönen, um einen weicheren Kontrast zu schaffen. Ein weiteres Stilelement ist Dithering (eine Art des Rasterns), das die Low-Tech-Ăsthetik unterstĂŒtzt. Zum Aufbau: Parallel haben wir die Seitenstruktur ĂŒber Wireframes entwickelt. Das war der erste Schritt, die Ergebnisse der Forschung auf die Pixelebene zu ĂŒbersetzen. Anhand der fertigen Website gehen wir nun ein paar Elemente durch.
![[dither_colors.png]]
Der Hauptbereich der Website besteht aus einem modularen Blocksystem. Der Vorteil dabei ist, dass viele Inhalte gleichzeitig sichtbar und schnell erfassbar sind, sodass Nutzer:innen leicht Neues entdecken können. AuĂerdem ist die Seite dadurch flexibel und modular aufgebaut: Sie kann wachsen, sich verĂ€ndern und bei Bedarf auch wieder reduziert werden. An dieses Prinzip knĂŒpfen auch die âRoom to Growâ-Blöcke an. Sie verweisen auf den bewusst vorlĂ€ufigen Charakter der Website und laden dazu ein, Inhalte zu ergĂ€nzen und die Seite weiterzuentwickeln.
![[hub-03.jpg]]
Oben sieht man die Filter-Buttons. Bereits wĂ€hrend des Prototypings war klar, dass unterschiedliche Arbeitsmodi im SFB eine wichtige Rolle spielen. Wir haben diese schlieĂlich auf drei zentrale Modi fokussiert, die wir in Form von Filter- beziehungsweise Fokus-Buttons umgesetzt haben. Durch diese Auswahl werden jeweils alle anderen Kacheln ausgeblendet. So entsteht ein direkter Verweis auf die verschiedenen Praktiken innerhalb des SFB. Gleichzeitig bieten die Filter die Möglichkeit, Ordnung in die Vielzahl an Inhalten zu bringen. Genau dieses Prinzip wird jedoch durch den Random-Button daneben bewusst wieder aufgebrochen: Er mischt alle Blöcke neu und ermöglicht so einen frischen Blick auf die Inhalte. Uns war wichtig, beides zu integrieren â die Ordnung ebenso wie die bewusste Unordnung.
> [!tip] Link
> Die Startseite ist online ereichbar unter đ https://vfu.virtuelle-lebenswelten.de/
Einige Blöcke bestehen aus externen Einbindungen, da eine weitere zentrale Erkenntnis aus dem Prototyping der Wunsch war, sowohl Informationen zum SFB gebĂŒndelt an einem Ort zu haben als auch Neues zu entdecken. Beispiele dafĂŒr sind der News-Block, der die neuesten drei Veranstaltungen auf der SFB-Seite zeigt, und der Kalender, der die neuesten drei Termine anzeigt. SchlieĂlich gibt es noch ein paar Module, die eher spielerisch beziehungsweise inspirativ angelegt sind. Sie sind kleine Features, die zum Verweilen einladen sollen oder ein Grund sein können, die Seite ĂŒberhaupt aufzurufen. Dazu gehören etwa der Pomodoro-Timer und das Virtual Office, ein 3D-Modell eines BĂŒros im SFB. Ein weiteres Beispiel ist der Block âData Strategiesâ, ein kollaboratives Modul, das VorschlĂ€ge macht und inspirieren soll. Bei jedem Refresh wird ein neuer Spruch angezeigt, wie z. B. âSchreibe einen unvollstĂ€ndigen Satzâ. Nutzer:innen können SprĂŒche bewerten und eigene einreichen. Die Data Strategies sind inspiriert von dem Kartendeck âOblique Strategiesâ von Brian Eno und Peter Schmidt.
## Outro đ
Wir erinnern zum Schluss nochmal an den Titel des Vortrags: *Geist in den Pixeln*. Analog zur Unterscheidung von Geist und Daten steckt darin die Frage, wie sich die Ziele der Geisteswissenschaften konkret in materiellen und praxisbezogenen Pixeln niederschlagen. Wir glauben nicht, dass wir diese Ăbersetzung heute schon abschlieĂend expliziert haben. Aber es ist eine der zentralen Herausforderungen unseres Projekts â also lasst uns darĂŒber sprechen. Danke!
## Literatur
Bender, Michael (2016): Forschungsumgebungen in den Digital Humanities, Berlin/Boston: De Gruyter, Inc.
Blanke, Tobias/Candela, Leonardo/Hedges, Mark/Priddy, Mike/Simeoni, Fabio (2010): Deploying general-purpose virtual research environments for humanities research, in: Philosophical Transactions of the Royal Society A: Mathematical, Physical and Engineering Sciences 368, 3813â3828.
Bowker, Geoffrey C./Star, Susan Leigh (2000): Sorting things out, Cambridge/Massachusetts: The MIT Press.
Carusi, Annamaria/Reimer, Torsten (2010): VRE Collaborative Landscape Study, Joint Information Systems Committee (JISC).
Deutsche Forschungsgemeinschaft (2025): Digitale Forschungspraxis und kooperative Informationsinfrastrukturen, DOI: 10.5281/zenodo.14621979.
Fleck, Ludwik (1980): Entstehung und Entwicklung einer wissenschaftlichen Tatsache, Frankfurt a.M.: Suhrkamp.
Fortun, Kim/Fortun, Mike (2023): How to devise collaborative hermeneutics, in: SĂĄnchez Criado/Estalella (Hrsg.): An Ethnographic Inventory. London: Routledge.
Frie, Ewald/Nieswand, Boris (2024): KeplerstraĂe 2, MĂŒnchen: C.H. Beck.
KrÀmer, Sybille (2025): Der Stachel des Digitalen, Berlin: Suhrkamp.
Latour, Bruno/Woolgar, Steve (1986): Laboratory Life, Princeton: Princeton University Press.
Martus, Steffen/Spoerhase, Carlos (2022): Geistesarbeit, Berlin: Suhrkamp.
Mol, Annemarie (2002): The body multiple, N.C: Duke Univ. Pr.
Neuroth, Heike/Lohmeier, Felix/Smith, Kathleen Marie (2011): TextGrid, in: International Journal of Digital Curation 6, S. 222â231.
Suchman, Lucy (2002): Located accountabilities in technology production, in: Scandinavian Journal of Information Systems, 14/2.
Vertesi, Janet (2014): Seamful Spaces, in: Science, Technology, & Human Values 39, S. 264â284.